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Laktosefreier Käse

Über Laktose-Intoleranz
Zu diesem Thema haben wir hier ausgewählte Artikel dargestellt, die einiges aufklären können. Der aktuellste Artikel entstammt der Zeitung "Die Zeit" vom 5. Mai 2012:




Spiel mit der Angst Verbraucherschützer warnen vor überteuerten laktosefreien Nahrungsmitteln von Philipp Alvares de Souza Soares

Ein großes Glas Milch, schon grummelt der Bauch, kommt es zu Blähungen, Krämpfen, Durchfällen. Menschen, die unter Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) leiden, kennen das und machen einen Bogen um den Eutersaft. Doch damit ist ihr Problem nicht gelöst, es ist verzwickter: Die Nahrungsmittelindustrie setzt vielen Produkten Milchzucker zu, oft in schwer erkennbaren Mengen. So nutzen Food-Designer den wohlschmeckenden Milchzucker als Füllstoff, der auch cremige Konsistenz verleiht, etwa in Eiscreme, Schokolade, Marzipan, Wurst oder Tiefkühlkost. Wer weiß schon, dass Zusätze wie Molkepulver hauptsächlich aus Milchzucker bestehen? Wieder grummelt es. Viele haben den üblen Bauchtanz um versteckten Zucker satt und kaufen vermehrt Produkte mit der Aufschrift »laktosefrei«.

Die Industrie hat den Trend erkannt und nutzt die Verunsicherung Betroffener, um mit überteuerten Produkten Profit zu machen. Tatsächlich ist Laktose ein wichtiger Nährstoff, insbesondere Muttermilch. Dieser Doppelzucker muss jedoch gespalten werden, weil unser Körper nur seine Bestandteile, Galaktose und Glukose, verwerten kann. Darum produzieren Babys das Verdauungsenzym Laktase. Es spaltet die Laktose. Bei vielen Menschen nimmt die Laktaseproduktion allmählich ab, etwa 15 Prozent aller Deutschen gelten als laktoseintolerant. Mit dem Alter nimmt der Enzymmangel zu, bei den über 60-Jährigen ist mehr als die Hälfte betroffen.

Die Industrie umwirbt diese Zielgruppe. Spezielle Produkte, bei denen die Laktose wäh­rend der Herstellung gespalten wurde, drängen in die Supermarktregale. Über 60 laktosefreie Produkte hat etwa der Marktfuhrer MinusL im Angebot. Von Milch bis zu tiefgekühltem Hühnerfrikassee mit Gemüsereis ist alles dabei. Frisch auf dem Markt ist eine laktosefreie Nuss-Nougat-Creme. Auf Facebook jubelten Fans, obwohl sie nicht ganz wie Nutella schmeckt. Auch andere Hersteller mischen mit: Laut Milchindustrie-Verband wächst der Markt für laktosefreie Milchprodukte jährlich um 15 bis 20 Prozent. Doch viele davon sind teuer und gaukeln einen Zusatznutzen vor, den es nicht gibt. Ein cleverer Marketingtrick.

Deutlich wird das zum Beispiel bei Käse: Sorten wie Gouda, Butterkäse, Edamer oder Tilsiter enthalten ohnehin kaum Laktose, weil diese bei der Reifung abgebaut wird (unter ein Gramm pro hundert Gramm Käse). Laktose­freier Käse ist jedoch deutlich teurer als sein herkömmliches Pendant. Auch bei Butter ist der Unterschied im Laktosegehalt so gering, dass er getrost vernachlässigt werden kann.

Die Verbraucherzentrale Hamburg ver­gleicht gerade die Preise laktosefreier und her­kömmlicher Lebensmittel, die ohnehin kaum Laktose enthalten. Demnächst will sie die Er­gebnisse veröffentlichen. Laktosefreie Produkte seien zum Teil mehr als doppelt so teuer wie konventionelle, sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale. »Damit kann man richtig Geld machen.« Sie berichtet von zunehmenden Anrufen verunsicherter Menschen, die ihre Verdauungsprobleme auf Milchprodukte zurückfuhren. »Haben Sie sich testen lassen?«, fragt sie dann. Viele glaubten wohl, laktosefreie Lebensmittel seien gesünder als konventionelle. Werbung und PR-Artikel hätten Laktoseintole­ranz zur Modekrankheit gemacht.

Laut der Gesellschaft für Konsumforschung ist nur jeder fünfte Käufer laktosefreier Produk­te tatsächlich laktoseintolerant. Die meisten glauben, sie täten sich etwas Gutes. Viele Be­troffene wissen auch nicht, dass kleine Laktosemengen trotz Intoleranz meist unproblematisch sind. »Wenn man ein bisschen Laktose zu sich nimmt, wird das in der Regel toleriert«, sagt Wolf­gang Holtmeier, Chefarzt der Gastroenterologie an einer Kölner Klinik. Der Vertrieb vieler Iaktosefreier Produkte sei daher »schlichte Geldmacherei«.

Menschen mit besonderer Empfindlichkeit sind sehr selten. Auch die Europäische Behörde für Lebens­mittelsicherheit stellt fest, dass die meisten laktose­intoleranten Menschen beschwerdefrei Einzeldosen bis zu 12 Gramm Laktose vertragen. Ein kleines Glas Milch oder fast 400 Milliliter Sahne wären also pro­blemlos. Wer strenger vorbeugen will, kann neben laktosefreien Produkten auch Laktasekapseln in der Apotheke kaufen. Dann darf man sogar Milchpro­dukte schlemmen.

Hinter den Produkten von MinusL steckt die Molkerei Omira. Auf die Nachfrage, was MinusL-Käse oder -Butter den Kunden bringen sollen, reagiert ein Mitarbeiter wortkarg. Er will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen und versichert: »Da ist schon ein Zusatznutzen dabei.« Schließlich dankten Verbraucher regelmäßig seiner Firma.

Die Verbraucherzentralen fordern eine bessere Kennzeichnung: Auf jedem milchhaltigen Pro­dukt solle der Laktosegehalt zu lesen sein. »Das würde endlich Transparenz schaffen«, sagt Silke Schwartau.

Quelle: Die Zeit (Wissen), 5. Mai 2012


Wie entsteht eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktose-Intoleranz)?
Die Milchzucker-Unverträglichkeit (Laktose-Intoleranz) ist weltweit stark verbreitet (manche Wissenschaftler sprechen von 90% der Weltbevölkerung). In den traditionell milchtrinkenden Kulturen Nordeuropas liegt der Anteil bei 5-15% der Bevölkerung.

Die Milchzuckerunverträglichkeit beruht auf einem Mangel an Laktase. Laktase ist ein Enzym, das in der Dünndarmschleimhaut gebildet wird und das den Milchzucker (Laktose) im Darm in Traubenzucker (Glukose) und Schleimzucker (Galaktose) spaltet.

Steht dem Darm keine oder zu wenig Laktase zur Verfügung, wird der mit der Nahrung zugeführte Milchzucker nur teilweise gespalten und von der Darmwand aufgenommen. Ein Teil des Milchzuckers gelangt "unverdaut" in den Dickdarm, wo er von den Darmbakterien zu Milchsäure, Essigsäure und Kohlendioxyd abgebaut wird. Die Folge sind Durchfälle mit wässrigen, schäumenden, sauer riechenden Stühlen. Die Betroffenen leiden außerdem unter Blähungen und kolikartigen Bauchschmerzen. Bei Säuglingen kommt es zu Erbrechen und schweren Gedeihstörungen.

Behandlung bei Milchzuckerunverträglichkeit: Es muss ein Arzt hinzugezogen werden. Die Therapie besteht v.a. aus milchzuckerfreier bzw. -armer Diät. "Eine laktosefreie Kost enthält pro Tag maximal 1g Laktose, eine laktosearme Kost maximal 8-10g Laktose". Das in der Milch enthaltene Calcium kann bei völliger Unverträglichkeit über calciumhaltige pflanzliche Lebensmittel ersetzt werden: Kartoffeln, Sojakeime, Haferflocken, Lauch, Spinat etc.

Der Zusammenhang von Käse und Milchprodukten sowie Laktose-Intoleranz ist aus der folgenden Übersicht zu ersehen: Anhand der angegebenen Werte ist zu erkennen, dass der Laktose - Gehalt bei Frischkäse bei 2,5-5% liegt und bei Schnittkäse nahezu unbedeutend ist. Wie ist das zu erklären?

Während der Reifung der Schnittkäse über die Dauer von 3 Wochen bis 3 Monaten arbeiten die Milchsäurebakterien an der Veränderung der Milch. Da sie den Milchzucker am liebsten mögen, bauen sie ihn zuerst ab, bevor sie an den Eiweißabbau gehen. Aus diesem Grund lässt sich mit Sicherheit sagen: Gereifte Käse (Schnittkäse, mit 100%iger Sicherheit Käse mit 3 - monatiger Reifung) sind milchzuckerfrei.

Dennoch ist bei einer Beratung zu beachten: Die Entscheidung über die Diät liegt beim Arzt.

100g Lebensmittel enthalten Laktose(g)
Butter-, Dickmilch, Kefir 4,0
Kuhmilch (0,3-3,5% Fett) 4,5-4,8
Joghurt, Früchtejoghurt 3,5-5,5
Kaffeesahne (10-15%Fett) 3,8-4,0
Speisequark (10-60% Fett) 2,0-3,8
Frischkäse ( 10-70% Fett) 2,8-3,8
Kochkäse (0-45% Fett i. Tr.) 3,2-3,9
Schnittkäse Laktosefrei
Butter 0,6

Quelle: Alle Zitate und Tabellen: Infothek "Diätik" der DGE, Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.


Aus "Schrot und Korn":
"Wenn Milchzucker (Laktose) zu Bauchgrummeln führt, stehen Milchprodukte auf dem Prüfstand. Doch nicht jeder Betroffene muss Milch, Käse und Joghurt komplett meiden. Kleine Mengen Laktose werden oft noch vertragen - und es gibt Alternativen.

Viele Menschen glauben, auf Milch allergisch zu reagieren. Doch mit einer Allergie hat das Bauch­grummeln meist nichts zu tun. Wenn Milch oder Milchprodukte Probleme be­reiten, liegt sehr viel häufiger eine Un­verträglichkeit auf Milchzucker vor, also Laktoseintoleranz. Dabei kann der durch Lebensmittel aufgenommene Milchzucker (Laktose) im Darm nicht oder nur unzureichend gespalten wer­den, weil das dafür zuständige Enzym Laktase nicht in ausreichender Menge produziert wird. Bei größeren Portionen milchzuckerhaltiger Lebensmittel gelangt der unverdaute Milchzucker in den Dickdarm. Dort wirkt er abführend und es kann zu Durchfällen kommen. Außerdem dient er bestimmten Darm­bakterien als Nahrung. Sie bauen den Milchzucker zu Gasen ab, die zu Blä­hungen, Völlegefühl und Krämpfen führen können. Da diese Beschwerden sehr unspezifisch sind, ist die eindeu­tige Diagnose durch einen Arzt wichtig.

Jeder Sechste ist betroffen
Mediziner unterscheiden drei Formen von Laktoseintoleranz. Extrem selten ist die angeborene Form, bei der von Geburt an nur minimale Mengen Laktase gebil­det werden. Die sekundäre Laktoseintole­ranz tritt als Folge von Erkrankungen auf, die die Dünndarmschleimhaut und damit den Bildungsort der Laktase schä­digen, zum Beispiel bei Zöliakie oder Morbus Crohn. Die häufigste Form ist die primäre Laktoseintoleranz: Sie be­trifft in Deutschland 15-20 Prozent der Bevölkerung. Meist geht dabei zwischen dem zweiten und 20. Lebensjahr die Ak­tivität der Laktase weitgehend verloren. Kleine Mengen Milchzucker, das heißt etwa 8-12 Gramm Laktose pro Tag, ver­tragen die meisten Betroffenen weiter­hin. Nur sehr empfindliche Personen müssen die Aufnahme auf maximal ein Gramm Milchzucker am Tag begrenzen. „Milchprodukte komplett vom Spei­seplan zu streichen, ist bei einer Laktoseintoleranz meist unnötig", sagt Hans-Helmut Martin vom Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB) und rät von einem vollständigen Verzicht ab. „Denn über diese Lebensmittelgrup­pe wird ein Großteil des Kalziumbedarfs gedeckt." Käse macht zudem häufig kei­ne Probleme, da bei der Käsereifung Milchzucker in Milchsäure umgewandelt wird. „Je länger ein Käse reift", erklärt Martin, „desto weniger Laktose enthält er." Weichkäse wie Camembert oder Brie reiften zwar nicht so lang wie Hart- oder Schnittkäse, enthielten aber dennoch nur rund 100 Milligramm Laktose pro 100 Gramm, so dass auch sie häufig gut ver­tragen würden. Vorsicht sei allerdings bei Frischkäse geboten.

Laktosegehalt ausgewählter Lebensmittel:

Milchprodukte

g/100 g

Muttermilch

7,0

Frischkäse

2,6-4,4

Kuhmilch

4,7

Hart-und Schnittkäse

< 0,1

Schafmilch

4,2

Hüttenkäse

3,3

Ziegenmilch

4,4

Joghurt

3,2

Molke

4,7

Butter

0,57

Quark

3,2

Buttermilch

4,0

Ricotta

0,33

Camembert

0,1

Sahne

3,3


Feta
0,53




Versteckter Milchzucker
Bei Sauermilchprodukten wie Joghurt, Quark, Dickmilch und saurer Sahne bleibt das Bauchgrummeln meist aus. Zwar enthalten sie einiges an Laktose, doch die darin enthaltenen Milchsäure­bakterien sorgen dafür, dass bereits ein Teil davon abgebaut wird. Auch fettreiche Milchprodukte sind oft besser bekömm­lich, da Fett die Verweildauer der Nah­rung im Magen-Darm-Trakt verlängert und die Enzyme dadurch mehr Zeit ha­ben, den Milchzucker abzubauen.

Problematisch für Betroffene ist der in vielen Fertigprodukten wie Süßig­keiten, Instant-Suppen, Streuwürzen, Back-, Fleisch- und Wurstwaren als Zutat enthaltene Milchzucker. Auch einigen Medikamenten wird Milchzucker zuge­setzt. Im Zutatenverzeichnis kann sich Milchzucker hinter Bezeichnungen wie Laktose, Joghurt, Sahne-, Milch- oder Molkepulver verstecken. Über die enthal­tene Menge sagt dies nichts aus. Deshalb sollten Betroffene milchzuckerhaltige Fertigprodukte besser meiden.

Um eine Laktoseintoleranz eindeutig nachzuweisen, führt der Arzt unter Milchzuckerbelastung den sogenannten Wasserstoff-Atemtest durch. Das bei ei­ner gestörten Verwertung gebildete Gas wird teilweise über die Lunge abgeatmet und kann gemessen werden. Für eine eindeutige Diagnose sollten gleichzeitig die typischen Beschwerden - Blähungen oder Bauchweh - auftreten. Liegt wirk­lich eine Laktoseintoleranz vor, sollten Betroffene nach etwa zwei milchzucker­freien Wochen nach und nach ausprobie­ren, was und wie viel sie von welchen Milchprodukten vertragen. Bei der Er­stellung eines solchen individuellen, milchzuckerarmen Speiseplans ist die Unterstützung durch eine Ernährungs­beraterin hilfreich.

Tabletten mit milchzuckerspaltenden Enzymen, die zusammen mit dem Essen eingenommen werden, hält Hans-Helmut Martin nur in Ausnahmesituati­onen wie Einladungen oder im Urlaub für sinnvoll. Eine milchzuckerarme Er­nährung können sie seiner Meinung nach nicht ersetzen.

Milch, Sahne, Nudelsoßen, Kartoffelpürreepulver, Pudding oder Brotauf­strich - mittlerweile gibt es alles auch mit der Aufschrift „laktosefrei" zu kau­fen. Milchprodukte gelten als laktosefrei, wenn sie weniger als 0,1 Gramm Laktose pro 100 Gramm enthalten. Um die Lakto­se zu entfernen, wird die Milch mit dem Enzym Laktase behandelt. Dieses spaltet den Milchzucker in die beiden Ausgangs­zucker Glukose und Galaktose auf. Da beide Zucker süßer schmecken als Lakto­se, erhält die Milch einen leicht süß­lichen Geschmack. Anschließend wird die Laktase durch Erhitzen deaktiviert und die Milch zu Sahne, Joghurt und an­deren Milchprodukten weiter verarbeitet.

Kennzeichen „laktosefrei"
Das wachsende Angebot ist für die Be­troffenen sicherlich eine Bereicherung. Für etliche Menschen mit Laktoseintole­ranz ist es jedoch nicht nötig, spezielle Butter und als laktosefrei angepriesene Schnitt- oder Hartkäse zu kaufen. Da Butter mit etwa 0,6 Gramm pro 100 Gramm relativ wenig Laktose enthält, wird sie von vielen ebenso problemlos vertragen wie Schnitt- und Hartkäse.

Ehe Verbraucher also zu den oft teureren Spezialprodukten greifen, sollten sie eine Unverträglichkeit vom Arzt diagnostizieren lassen. Da Betrof­fene ganz unterschiedliche Mengen Lak­tose vertragen, sollten sie dann selbst tes­ten, welche normalen Milchprodukte sie noch essen können und wo Spezial-Produkte sinnvoll sind. Calciumangereicherte Soja-, Hafer- oder Reisdrinks sind als Milchersatz ebenfalls eine Alternative.

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